Die geschichtliche Entwicklung der Blutspende

Schon in der Antike erkannte der Mensch die lebenserhaltende Kraft des Blutes; es spielte bei den Ärzten der Antike eine große Rolle. Man verabreichte z.B. das Blut von gefallenen Kriegern und Gladiatoren. Dies war ein anerkanntes Heilmittel zur Wiedererlangung von Gesundheit und jugendlicher Kraft. Erst mit der Entdeckung des Blutkreislaufes durch William Harvey im Jahre 1628, wurden diese auf mystische Vorstellungen beruhenden Blutübertragungen revidiert. Sie wurden durch die realistischere Absicht ersetzt, die Heilung eines Kranken durch die Injektion von gesundem Blut in seinen Kreislauf zu erreichen.

Bluttransfusionen
Einige der frühesten Aufzeichnungen berichtet über Transfusionsversuche des französischen Arztes Jean Denys . Er nahm um 1660 Transfusionen zwischen Mensch und Tier vor, mit durchwegs schlechtem Ergebnis. Vernünftiger weise griff die französische Regierung ein und verbot die Transfusion. Trotzdem wurden weiter derartige Transfusionsversuche von Tierblut, bis zum Beginn des 19. Jh. praktiziert.

Die Unverträglichkeit des artfremden Blutes für den Menschen wurde erstmals 1818 von dem englischen Chirurgen Blundell erkannt und dokumentiert. Er nahm Transfusionen von Mensch zu Mensch vor und erforschte viele neue Erkenntnisse für die Medizin, obwohl die meisten Transfusionen tödlich endeten.

Die Entdeckung der Blutgerinnung
Die Entdeckung der Blutgerinnung erfolgte 1861 durch Alexander Schmidt , deren Schematisierung durch Paul Morawitz 1905 und die Einteilung in die verschiedenen Blutgruppen des ABO-Systems durch Karl Landsteiner 1901. Diese Erkenntnisse erfolgten fast 100 Jahre später. Erst als damals erkannt wurde, daß in der Bevölkerung vier verschiedene Blutgruppen vorherrschen, konnten Patienten durch blutguppengleiche Transfusionen immer häufiger gerettet werden. Die Vererbbarkeit von Blutgruppenantigenen wurde 1924 von Bernstein anhand von Familienuntersuchungen im ABO-System beschrieben.

Wie schon erwähnt, wurden anfangs des 20. Jahrhunderts Techniken der Typisierung und Übertragung von Blut entwickelt. So wurde allmählich die homologe Transfusion eingeführt, bei der direkt vom Spender zum Empfänger übertragen wurde.
Erst 1928 bewies Ochlecher , daß die Bluttransfusion eine sichere Maßnahme war. Dies zeigte er durch die vorherige Absicherung der Verträglichkeit durch serologische Voruntersuchung des Patienten und Spenders auf Gleicheit der Blutgruppen nach Antikoagulation des Blutes. Das Antikoagulans Natriumcitrat wirkt durch Bindung von Kalziumionen.

Die ersten Blutbanken entstehen
Die erste Blutbank wurde in Rußland um 1920 und in den USA (Chicago) 1937 eingerichtet. Der Blutbedarf während des Krieges war sehr hoch, ebenso die Spenderbereitschaft. So wurde es möglich, daß sich "Blutspendezentralen" entwickeln konnten. Der Spender bekam eine kleine Gegenleistung in Form von gesundheitlicher Überwachung, sowie Lebensmittel oder finanzielle Zuwendungen.
Die Entwicklung der Blutkonservierung begann bald nach dem zweiten Weltkrieg unter Druck des enorm steigenden Bedarfs an Transfusionsblut. Für eine ausreichende Verfügbarkeit bei akuten Blutverlusten und operativen Eingriffen war eine Vorrathaltung von Blut der verschiedenen Blutgruppen unerläßlich. Dies wurde ermöglicht durch den Zusatz von Stabilisatorlösungen zum Spenderblut, die mit Hilfe von Zitronensäure die Blutgerinnung verhinderten. Zu Anfang wurden die Blutkonserven in Glasflaschen konserviert, sie wurden von sterilen Kunststoffbeuteln abgelöst.
Aus den "Blutspendezentralen" bildeten sich die sog. "Blutbanken", teilweise schon mit Laboreinrichtungen. Sie unterstützten die Ärzte, indem dort die blutgruppenserologischen Empfängeruntersuchungen durchgeführt wurden. Später erst erkannte man viele negative Züge der Vollbluttransfusion genauer. Daher ging man in den 70er Jahren dazu über, eine Blutspende in einzelne Komponenten zu separieren und diese unter den für die einzelnen Bestandteile optimalen Bedingungen zu konservieren und zu lagern.
Wir haben heute erkannt, daß die Therapie mit Komponenten die optimale Transfusionstherapie darstellt, und daß alle Blutverluste mit Erythrozytenkonzentraten, Thrombozytenkonzentrat und Blutplasma ersetzt werden können.

Die Bedeutung der Blutspende heute
Der Spender von Fremdblut ist heute wichtiger denn je. Ohne ihn wäre eine Aufrechterhaltung der Standards unserer Krankenhäuser nicht denkbar. Schon alleine durch die Zunahme von langen und komplizierten Operationen mit großen Blutverlusten werden mehr und mehr Blutkonserven benötigt. Viele Unfallopfer würden nicht überleben, wenn keine Blutkonserven zur Verfügung stünden. Nicht zu vergessen sind auch die chronisch Kranken, denen die Konserven das Leben verlängern und ihr Leiden vermindert.
Im Mittelpunkt der Blutspende steht die Gesundheit des Spenders. Deswegen sind die Voraussetzungen für eine Blutspende sehr umfangreich. Sie werden im Kapitel Richtlinien zusammengefaßt. Nur wenn eine Spendetauglichkeit, basierend auf den Richtlinien, durch den Arzt bestätigt wird, wird der Spender zur Blutspende zugelassen. Der Allgemeinzustand des Spenders sollte nach der Spende ebenso gut sein wie vorher. Das vornehmliche Bestreben der Blutbanken ist es, weiterhin einen möglichst großen Anteil an Dauerspendern zu gewinnen.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Blutspenden und weitere Informationen finden Sie auf der deutsche Rote Kreuz -Homepage unter http://www.drk.de/blutspendedienst/index.html.